Maritime Compliance: Schiffszertifikate, Besatzungsverifikation und Hafenstaatkontrolle
Vollständiger Leitfaden zur maritimen Compliance-Dokumentation: SOLAS-Zertifikate, ISM-Konformitätserklärung, MARPOL IOPP, MLC, STCW-Qualifikationen und Paris-MOU-Hafenstaatkontrolle für deutsche Reedereien und Schiffseigentümer.

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Deutschland verfügt über eine der bedeutendsten Seefahrtsnationen Europas. Hamburg ist nach Rotterdam der zweitgrößte Containerhafen Europas; Bremen/Bremerhaven ist ein zentraler Umschlagplatz für Fahrzeuge und Stückgut. Die deutsche Handelsflotte umfasst mehrere Tausend Seeschiffe, und der maritime Sektor trägt erheblich zur deutschen Exportwirtschaft bei. Diese Stärke bedingt weitreichende Dokumentationspflichten: Schiffseigentümer, Reedereien und Schiffsmanager müssen nachweisen, dass ihre Fahrzeuge den einschlägigen internationalen Übereinkommen entsprechen, dass die Besatzung über die erforderlichen Qualifikationen verfügt und dass Sicherheits- und Umweltsysteme stets aktuell und nachweislich geprüft sind.
Die regulatorische Komplexität ist beträchtlich. Ein Seeschiff in internationaler Fahrt muss gleichzeitig das SOLAS-Übereinkommen (Safety of Life at Sea), das MARPOL-Übereinkommen (Marine Pollution), das MLC-2006-Übereinkommen (Maritime Labour Convention), die STCW-Regeln (Standards of Training, Certification and Watchkeeping) und die Anforderungen des Flaggenstaats erfüllen. Neben der Flaggenstaatkontrolle durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) unterliegt das Schiff Hafenstaatkontrollen in allen angelaufenen Häfen — auch außerhalb Deutschlands, über das Paris-MOU-Netzwerk.
Dieser Leitfaden beschreibt die Pflicht-Schiffszertifikate, die Besatzungsdokumentation, die Funktionsweise der Hafenstaatkontrolle und wie automatisierte Dokumentenprüfung Reedereien und Compliance-Teams bei der Übersicht hilft.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine rechtliche, maritime oder regulatorische Beratung dar. Die regulatorischen Verweise sind zum Veröffentlichungsdatum aktuell. Wenden Sie sich an einen qualifizierten Fachmann für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung.
Pflicht-Schiffszertifikate: der internationale Rechtsrahmen
Der internationale Seerechtsrahmen wird primär durch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, gesetzt. IMO-Übereinkommen verpflichten Flaggenstaaten, ihren Schiffen bestimmte Zertifikate auszustellen, die die Einhaltung der festgelegten Normen belegen. Nachfolgend werden die Kernzertifikate für ein Seeschiff in internationaler Fahrt erläutert.
SOLAS-Sicherheitszertifikate
Das SOLAS-Übereinkommen (Safety of Life at Sea) bildet das Fundament der internationalen Schiffssicherheit. Für Fahrgastschiffe gilt ein Passenger Ship Safety Certificate mit jährlicher Gültigkeitsdauer. Für Frachtschiffe existiert ein System aus drei Einzelzertifikaten:
- Cargo Ship Safety Construction Certificate — bestätigt, dass das Schiff gemäß den SOLAS-Bauvorgaben konstruiert und ausgerüstet ist (gültig bis zu fünf Jahre, abhängig von regelmäßigen Zwischenbesichtigungen).
- Cargo Ship Safety Equipment Certificate — bestätigt, dass Rettungsmittel, Brandbekämpfungsanlagen und Navigationsgeräte den SOLAS-Anforderungen entsprechen (bis zu zwei Jahre, Zwischenprüfungen erforderlich).
- Cargo Ship Safety Radio Certificate — bestätigt die Funktionsfähigkeit des GMDSS-Funkkommunikationssystems (bis zu einem Jahr gültig).
In der Praxis können Flaggenstaaten — in Deutschland das BSH — ein zusammengefasstes Cargo Ship Safety Certificate ausstellen, das alle drei Teilbereiche abdeckt und bis zu fünf Jahre gültig ist, sofern die vorgeschriebenen Zwischenbesichtigungen durchgeführt werden.
ISM-Konformitätserklärung und Sicherheitsmanagement-Zertifikat
Der ISM-Code (International Safety Management Code, Resolution MSC.104(73)) verpflichtet Reedereien und Schiffsmanager zur Einführung und Aufrechterhaltung eines dokumentierten Sicherheitsmanagementsystems. Der Flaggenstaat oder eine anerkannte Organisation (Recognized Organization, RO) — wie Bureau Veritas, Lloyd's Register oder DNV — überprüft dieses System und stellt zwei Dokumente aus:
- Document of Compliance (DOC) — wird der Reederei (nicht dem einzelnen Schiff) ausgestellt; fünf Jahre gültig, mit jährlichen Zwischenaudits.
- Safety Management Certificate (SMC) — wird dem einzelnen Schiff ausgestellt; fünf Jahre gültig, mit einer Zwischenprüfung zwischen dem zweiten und dritten Jahr.
Das Fehlen oder Ablaufen des SMC ist ein Festhaltegrund bei der Hafenstaatkontrolle.
ISPS-Zertifikat
Der ISPS-Code (International Ship and Port Facility Security Code), nach 2001 eingeführt, verlangt einen dokumentierten Schiffssicherheitsplan und eine genehmigte Schiffssicherheitsbewertung. Das International Ship Security Certificate (ISSC) hat eine Gültigkeitsdauer von fünf Jahren. Der Schiffssicherheitsbeauftragte (Ship Security Officer, SSO) und der Unternehmens-Sicherheitsbeauftragte (Company Security Officer, CSO) müssen ausgebildet und zertifiziert sein.
MARPOL-Zertifikate: Meeresumweltschutz
Das MARPOL-Übereinkommen umfasst sechs Anlagen, die Einleitungen und Emissionen regulieren. Die beiden am häufigsten geforderten Zertifikate sind:
- International Oil Pollution Prevention Certificate (IOPPC) — Anlage I von MARPOL; erforderlich für Schiffe ab 400 BRZ; bis zu fünf Jahre gültig mit Zwischenbesichtigungen. Das Schiff muss außerdem ein genehmigtes Öltagebuch (Oil Record Book) führen.
- International Air Pollution Prevention Certificate (IAPPC) — Anlage VI von MARPOL; regelt Schwefelemissionen (einschließlich der Verschärfung auf 0,5 % Schwefel außerhalb von SOx-Emissionsüberwachungsgebieten und 0,1 % innerhalb von ECA-Gebieten) sowie Stickoxidemissionen. Die Nordsee ist als SOx ECA ausgewiesen, sodass in diesem Gebiet fahrende Schiffe strengeren Emissionsgrenzwerten unterliegen.
MLC-2006-Zertifikat: Arbeitsbedingungen auf See
Das Seearbeitsübereinkommen 2006 (MLC) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wird als „Bill of Rights for Seafarers" bezeichnet. Es legt Mindeststandards für Arbeitsbedingungen, Arbeits- und Ruhezeiten, Entlohnung, Unterkunft, medizinische Versorgung und Beschwerdeverfahren fest. Für Schiffe ab 500 BRZ in internationaler Fahrt sind erforderlich:
- Maritime Labour Certificate (MLC-Zertifikat) — fünf Jahre gültig, mit einer Zwischenprüfung.
- Declaration of Maritime Labour Compliance (DMLC) — zwei Teile: Teil I enthält die nationalen Standards, Teil II beschreibt die schiffsspezifischen Maßnahmen zur Einhaltung dieser Standards.
Klassenzertifikate
Neben den regulatorischen Zertifikaten halten die meisten Seeschiffe ein Klassenzertifikat einer vom Flaggenstaat anerkannten Klassifikationsgesellschaft. Dieses Zertifikat bestätigt, dass das Schiff nach den technischen Normen der jeweiligen Klassifikationsgesellschaft entworfen, gebaut und gewartet wird. Klasse ist eine Grundvoraussetzung für Versicherbarkeit und Schiffsfinanzierung.
Übersicht: Zertifikate und Gültigkeitsdauer
| Zertifikat | Rechtsgrundlage | Max. Gültigkeitsdauer | Zwischenprüfung |
|---|---|---|---|
| Cargo Ship Safety Certificate | SOLAS | 5 Jahre | Ja, 2. und 3. Jahr |
| Document of Compliance (DOC) | ISM-Code | 5 Jahre | Jährlich |
| Safety Management Certificate (SMC) | ISM-Code | 5 Jahre | 2.–3. Jahr |
| Int'l Ship Security Certificate (ISSC) | ISPS-Code | 5 Jahre | 2.–3. Jahr |
| Int'l Oil Pollution Prevention Cert. (IOPPC) | MARPOL Anlage I | 5 Jahre | Ja |
| Int'l Air Pollution Prevention Cert. (IAPPC) | MARPOL Anlage VI | 5 Jahre | Ja |
| Maritime Labour Certificate (MLC) | MLC 2006 | 5 Jahre | 2.–3. Jahr |
| Minimum Safe Manning Document | SOLAS | Nach Flaggenstaat | Nein |
Besatzungsverifikation: STCW und Seeleute-Zeugnisse
Die Besatzungsdokumentation ist mindestens ebenso kritisch wie die Schiffszertifikate. Das STCW-Übereinkommen — einschließlich der Manilla-Änderungen von 2010 — legt Mindestqualifikationsstandards für Schiffsoffiziere und -mannschaften fest. Die Manilla-Änderungen, die 2012 in Kraft traten, stärkten das System in Bereichen wie medizinische Tauglichkeit, Befähigungsausbildung, Sicherheitsbewusstsein und Sicherheitsausbildung.
Erforderliche Qualifikationsdokumente
Für jedes Besatzungsmitglied an Bord eines Schiffes in internationaler Fahrt sind folgende Dokumente relevant:
- Certificate of Competency (CoC) — der zentrale Befähigungsnachweis auf der erforderlichen STCW-Ebene (Kapitän, Erster Offizier, Schiffsmaschinistoffizier usw.). Wird vom Flaggenstaat oder vom Heimatstaat des Seemanns ausgestellt, wobei der Flaggenstaat eine Anerkennung verlangt.
- Endorsement (Bescheinigung) — Flaggenstaatanerkennung eines ausländischen CoC; erforderlich, wenn das Zeugnis von einem anderen Staat als dem Flaggenstaat ausgestellt wurde.
- Certificate of Proficiency (CoP) — für spezifische Funktionen wie GMDSS-Funker, Grundausbildung in Sicherheit, Überlebenstechniken, Brandbekämpfung, Rettungsmittel, medizinische Versorgung und Tanker-Endorsements (Öl, Chemikalien, Gas).
- Ärztliches Zeugnis (STCW Regulation I/9) — bestätigt die medizinische Tauglichkeit zum Seedienst; maximale Gültigkeitsdauer von zwei Jahren (ein Jahr für Seeleute über 55 Jahre in bestimmten Staaten).
- Seafarers' Identity Document (SID) — gemäß ILO-Übereinkommen Nr. 185 oder nationalem Reisedokument; dient als Identifikationsnachweis und erleichtert Landurlaub in Häfen.
Mindestbesatzung und Wachliste
Das Minimum Safe Manning Document (MSMD), ausgestellt vom Flaggenstaat, legt fest, wie viele Offiziere und Besatzungsmitglieder mindestens an Bord sein müssen. Die Wachliste muss nachweisen, dass die Ruhezeitanforderungen des STCW eingehalten werden: mindestens zehn Stunden Ruhe pro 24-Stunden-Zeitraum und 77 Stunden pro Sieben-Tage-Zeitraum. Verstöße hiergegen sind ein häufiger Befund bei MLC-Inspektionen.
Deutscher Kontext: BSH und BG Verkehr
In Deutschland ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) die zentrale maritime Behörde für Schiffssicherheit, das Schiffsregister und die Anerkennung von Befähigungszeugnissen. Die Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr) ist gemäß der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung (SchOffAusbV) für die Anerkennung von Befähigungszeugnissen ausländischer Seeleute auf deutschen Schiffen zuständig. Reedereien, die Seeleute aus Nicht-EU-Staaten beschäftigen, deren Zeugnisse auf deutschen Schiffen genutzt werden sollen, müssen bei der BG Verkehr eine Anerkennung beantragen. Das Flaggenrechtsgesetz regelt in Deutschland die grundlegenden Anforderungen an die Führung der Bundesflagge und stellt den nationalen Rahmen für die Umsetzung internationaler Flaggenstaatpflichten dar.
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Kostenloses Pilotprojekt anfragenHafenstaatkontrolle: Paris MOU und Inspektionsverfahren
Funktionsweise des Paris MOU
Das Paris Memorandum of Understanding on Port State Control (Paris MOU) ist das maßgebliche regionale Regime für die Hafenstaatkontrolle in Europa und im nordatlantischen Raum. Es umfasst 27 Teilnehmerstaaten, darunter Deutschland. Das Paris MOU koordiniert Inspektionen, damit Unterschichtsschiffe nicht einfach durch Hafenwechsel dem Zugriff der Behörden entgehen. Das Paris MOU Annual Report liefert jährlich aggregierte Inspektionsdaten zur Gesamtzahl der Inspektionen, Festhaltungen und häufigsten Mängelbereichen in der Region.
Auswahlkriterien und Inspektionsprofile
Nicht jedes Schiff wird bei jedem Hafenanlauf inspiziert. Das Paris MOU verwendet eine mehrstufige Analyse von Risikofaktoren, um zu bestimmen, welche Schiffe vorrangig inspiziert werden:
- Schiffsprofil: Flaggenstaat (Black, Grey oder White List), Schiffstyp, Alter und Klassifikationsgesellschaft.
- Historische Compliance-Bilanz: frühere Mängel, Festhaltungshistorie, Zwischenbesichtigungen.
- Anlaufhäufigkeit: Schiffe, die die Paris-MOU-Region selten anlaufen, werden bei Ankunft häufiger ausgewählt.
- Informationsquellen: Meldungen von Hafenbehörden, Lotsen oder Besatzungsmitgliedern.
Das New Inspection Regime (NIR), in Kraft seit 2011, klassifiziert Schiffe in drei Kategorien: Standard Risk Ships (SRS), Low Risk Ships (LRS) und High Risk Ships (HRS). High Risk Ships werden bei jedem Hafenanlauf inspiziert; Low Risk Ships können bei sauberer Compliance-Bilanz längere Zeiträume ohne eingehende Inspektion fahren.
Häufigste Mängel und Festhaltung
Ein Hafenstaatkontrolleur prüft Dokumentation, Systeme und Betriebszustand. Die am häufigsten registrierten Mängelkategorien sind:
- Abgelaufene oder fehlende Zertifikate (SOLAS, MARPOL, MLC)
- Mängel bei Brandbekämpfungs- und Rettungsmitteln
- Unzureichende Ruhezeitaufzeichnungen (MLC, STCW)
- Maschinenraummängel (Korrosion, defekte Absperrventile)
- Unvollständige MARPOL-Aufzeichnungen (Öltagebuch, Mülltagebuch)
- Nicht qualifizierte Besatzungsmitglieder (fehlende STCW-Zertifikate oder abgelaufene ärztliche Zeugnisse)
Eine Festhaltung — das Verbot, den Hafen zu verlassen, bis die festgestellten Mängel behoben sind — hat unmittelbare finanzielle Folgen: Liegezeiten, Reparaturkosten, Wartezeiten für die Besatzung und mögliche Schadensersatzansprüche von Befrächtern wegen Verspätung. Wiederholte Festhaltungshistorien erhöhen das Risiko für künftige Inspektionen und können in extremen Fällen zur Verweigerung des Hafenzugangs in allen Paris-MOU-Häfen führen.
Konzentrierte Inspektionskampagnen
Das Paris MOU organisiert jährlich gezielte Concentrated Inspection Campaigns (CIC) zu spezifischen Themen. Bisherige Kampagnen umfassten Ruhezeiten und Wachdienste, Seenotübungen oder den technischen Zustand von Rumpf und Ankern. Reedereien, die über die laufenden CIC-Themen informiert sind, können ihre Vorab-Inspektionskontrolle entsprechend ausrichten.
Digitale Verifikation maritimer Dokumente
Die Verwaltung von Schiffszertifikaten und Besatzungsdokumentation ist eine aufwändige operative Aufgabe. Ein Seeschiff hat schnell Dutzende zu überwachende Ablaufdaten: fünf Kernzertifikate mit eigenen Erneuerungsdaten und Zwischenaudits, dazu Dutzende individueller Besatzungsdokumente (CoC, CoP, ärztliche Zeugnisse, STCW-Endorsements).
Plattformen wie CheckFile wenden eine mehrstufige Analyse auf eingereichte Unterlagen an: zunächst Prüfung der strukturellen Integrität des Dokuments (Format, ausstellende Behörde, Vorhandensein erforderlicher Felder), anschließend Kontrolle von Gültigkeitsdaten und Zwischenauditanforderungen, schließlich Abgleich der Inhaberangaben mit der angegebenen Funktion und dem erforderlichen Kompetenzlevel. Dies verschafft Compliance-Teams und Hafenagenten Echtzeittransparenz über den Dokumentationsstatus einer Flotte — ohne dass jedes Dokument manuell geprüft werden muss.
Für Reedereien, die mit internationalen Besatzungen arbeiten, deren Zeugnisse von einer Vielzahl von Flaggenstaaten ausgestellt wurden, ist automatisierte Verifikation keine Option, sondern eine operative Notwendigkeit. Die CheckFile-Lösungen für maritime Sektoren sind darauf ausgelegt, Dokumentenströme in hohem Volumen zu verarbeiten und Ausnahmen sofort zu melden.
Ergänzende Informationen zu Dokumentationspflichten in angrenzenden Sektoren finden Sie in unserem Leitfaden zur Dokumenten-Compliance im Transport und Logistik.
Einen breiten Überblick über Verifikationsanforderungen nach Branche bietet unser Leitfaden zur Branchenverifizierung.
Erneuerungszyklen und die Rolle anerkannter Organisationen
Die Komplexität des Zertifikatsmanagements wird dadurch verstärkt, dass die meisten IMO-Zertifikate eine fünfjährige Laufzeit aufweisen, dabei aber Zwischenbesichtigungen und -audits erfordern, die ebenfalls dokumentiert und archiviert werden müssen. Der Zeitplan für ein typisches Frachtschiff sieht wie folgt aus:
- Jahr 0: Erstbesichtigung — alle Zertifikate werden ausgestellt oder erneuert.
- Jahr 1: Jährlicher ISM-DOC-Audit (Unternehmensebene) + IOPPC/IAPPC-Jahresverifikation.
- Jahr 2/3: Zwischenbesichtigung SOLAS, Zwischen-ISM-SMC-Audit, MLC-Zwischenprüfung.
- Jahr 4: Jährlicher ISM-DOC-Audit.
- Jahr 5: Erneuerungsbesichtigung — vollständige Wiederholung aller Besichtigungen für alle Zertifikate.
Anerkannte Organisationen (RO), die vom BSH im Auftrag des deutschen Flaggenstaats zugelassen werden, führen den Großteil der Besichtigungen und Audits durch. Die RO trägt auch die Verantwortung für die periodischen Kielbeschichtigungskontrollen (Drockdockanforderungen) gemäß dem Harmonized System of Survey and Certification (HSSC).
Praktische Compliance-Empfehlungen für Reedereien und Schiffsmanager
Zentralisieren Sie das Zertifikatsregister. Führen Sie ein zentrales Register aller Schiffszertifikate mit Ablaufdaten, dem Namen der ausstellenden RO und den geplanten Terminen für Zwischen- und Erneuerungsbesichtigungen. Automatische Erinnerungen minimieren das Risiko unbeabsichtigt abgelaufener Zertifikate.
Schulen Sie den Schiffssicherheitsbeauftragten und den Sicherheitsoffizier. Viele MOU-Mängel lassen sich auf unzureichende Schulung oder mangelnde Vertrautheit mit den erforderlichen Dokumentationsaufzeichnungen zurückführen (Öltagebuch, Mülltagebuch, Ozonschicht abbauende Stoffe-Tagebuch).
Führen Sie interne Vorankunftsinspektionen durch. Simulieren Sie die Inspektionscheckliste des Paris MOU vor jedem Hafenanlauf in der Region. Konzentrieren Sie sich auf die häufigsten Mängel: Ruhezeitaufzeichnungen, Brandbekämpfungsausrüstung und die Vollständigkeit des Öltagebuches.
Halten Sie STCW-Zertifikate aktuell. Ärztliche Zeugnisse laufen früher ab als Befähigungszeugnisse. Implementieren Sie ein System, das sechs Monate vor Ablauf automatisch eine Verlängerungsanforderung pro Besatzungsmitglied auslöst.
Verstehen Sie die Paris-MOU-Black/Grey/White-Liste. Der Flaggenstaat hat direkten Einfluss auf das Risikoprofil eines Schiffes bei der Hafenstaatkontrolle. Beim Chartern von Schiffen unter anderen Flaggen verdient dies besondere Aufmerksamkeit.
Informationen zu Tarifen und Abonnements für maritime Compliance-Verifikation über CheckFile finden Sie auf unserer Tarifseite.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange sind SOLAS-Zertifikate gültig?
Die meisten SOLAS-Zertifikate für Frachtschiffe haben eine maximale Gültigkeitsdauer von fünf Jahren, erfordern jedoch Zwischenbesichtigungen und -prüfungen in regelmäßigen Abständen (in der Regel im zweiten und dritten Jahr). Das Cargo Ship Safety Radio Certificate gilt bis zu einem Jahr. Ein Zertifikat kann seine Gültigkeit verlieren, wenn eine Zwischenbesichtigung nicht rechtzeitig durchgeführt wird.
Was ist der Unterschied zwischen Document of Compliance und Safety Management Certificate?
Das Document of Compliance (DOC) wird der Reederei oder dem Schiffsmanager (der Gesellschaft) ausgestellt und bestätigt, dass das Sicherheitsmanagementsystem auf Unternehmensebene dem ISM-Code entspricht. Das Safety Management Certificate (SMC) wird dem einzelnen Schiff ausgestellt und bestätigt, dass dieses Schiff im Rahmen des genehmigten Sicherheitsmanagementsystems betrieben wird. Beide sind erforderlich; das Fehlen eines der beiden ist ein Festhaltegrund.
Welche STCW-Dokumente prüft ein Hafenstaatkontrolleur?
Ein Hafenstaatkontrolleur prüft das Certificate of Competency (CoC) jedes Besatzungsmitglieds, das Wachdienst hält oder eine Sicherheitsfunktion ausübt, einschließlich des Endorsements (Flaggenstaatanerkennung) soweit erforderlich. Ärztliche Zeugnisse, Zertifikate für Grundausbildung in Sicherheit und typspezifische Endorsements (Tankerzertifikate, GMDSS) werden ebenfalls geprüft. Abgelaufene ärztliche Zeugnisse sind ein häufiger Befund.
Was sind die Folgen einer Festhaltung in einem Paris-MOU-Hafen?
Eine Festhaltung bedeutet, dass das Schiff den Hafen nicht verlassen darf, bis die festgestellten Mängel behoben und vom Inspekteur aufgehoben wurden. Die Kosten umfassen Liegezeiten, Reparaturkosten und eventuelle Schadensersatzansprüche des Befrächters wegen Verspätung. Eine wiederholte Festhaltungshistorie erhöht das Risiko künftiger Inspektionen und kann in extremen Fällen zum Ausschluss aus allen Paris-MOU-Häfen führen.
Welche Rolle hat das BSH bei der Ausstellung von Schiffszertifikaten?
Das BSH ist als zuständige Bundesbehörde für Schiffssicherheit und Flaggenstaataufgaben verantwortlich für die Ausstellung und Verwaltung von Schiffszertifikaten für Schiffe unter deutscher Flagge, die Anerkennung von Klassifikationsgesellschaften als anerkannte Organisationen (RO) und die Koordination von Hafenstaatkontrolle-Inspektionen an deutschen Seehäfen. Das BSH arbeitet dabei eng mit den zuständigen Länderbehörden und der BG Verkehr zusammen.
Wie lange müssen maritime Dokumente aufbewahrt werden?
Der ISM-Code verlangt, dass schiffsbezogene Dokumente mindestens drei Jahre nach Ablauf ihrer Gültigkeit aufbewahrt werden. Das Öltagebuch gemäß MARPOL muss drei Jahre an Bord verfügbar sein. Das MLC verlangt, dass Arbeitsverträge und Ruhezeitaufzeichnungen mindestens ein Jahr nach Ablauf aufbewahrt werden. Nationale Vorschriften können längere Aufbewahrungsfristen vorschreiben.
Wie verhält sich das Flaggenrechtsgesetz zum internationalen Seerecht?
Das Flaggenrechtsgesetz (Gesetz über das Flaggenrecht der Seeschiffe und die Flaggenführung der Binnenschiffe) regelt in Deutschland, welche Schiffe berechtigt sind, die Bundesflagge zu führen. Es bildet die nationale Rechtsgrundlage für die Umsetzung der Flaggenstaatpflichten aus internationalen Übereinkommen wie SOLAS, MARPOL, MLC und STCW. Das BSH ist die zuständige Behörde für die Durchsetzung dieser Pflichten gegenüber deutsch-beflaggten Schiffen.
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